Florian Geßler: Verschobene Kontinente. Skizzen für Ensemble (2010)

Der Komponist Florian Geßler

„Musik zeichnet sich vor anderen Künsten vor allem durch ihre unendliche Vielschichtigkeit im Gleichzeitigen aus, und – wie bei allen Komponisten – ist es diese Möglichkeit zur Komplexität, die mich interessiert. Die verschiedensten Ausformulierungen dieser Möglichkeiten zu suchen, zu untersuchen und so zu immer neuen, anderen musikalischen Verläufen oder ‚Zuständen‘ zu finden, begreife ich als meine Arbeit. Dabei können die unterschiedlichen ‚Schichten‘, ‚Ebenen‘ o. ä. ganz verschiedenen Gebieten entstammen: z. B. Sprache, Raum, Zeit, Ordnung usw. – mich interessieren assoziative Verbindungen oder Stränge ebenso sehr wie immanent musikalische oder musikgeschichtliche.“

Florian Geßler (2010)

 

Verschobene Kontinente. Skizzen für Ensemble (2010)

„Harmonik stand am Anfang meiner Arbeit an Verschobene Kontinente: Unter anderem wurde ein Algorithmus entwickelt, um aus bestimmten gegebenen Vorlagen Akkorde zu generieren. Algorithmen dienen mir als Werkzeug, als Instrument, differenzierte harmonische Verläufe (d. h. in diesem Fall Abfolgen von 19-stimmigen ‚Makroakkorden‘) zu erzeugen und zu kontrollieren, und dadurch eine weitere Ebene der Verfeinerung klangsprachlicher Klarheit und Konsistenz zu erreichen. Diese 19-stimmigen Makroakkorde bilden die Grundlage für die Harmonik in Verschobene Kontinente, werden jedoch nie vollständig exponiert. Pendelbewegung und deren rhythmische Ausgestaltung, Echos und Resonanzen sind andere wichtige Aspekte des Stücks.“

„... wo ist die Zeit hin, da wir noch Kontinente verschoben ? !“
ARNO SCHMIDT, Verschobene Kontinente (1956)

Florian Geßler (2010)

Florian Geßler: Biographie

Florian Geßler wurde 1972 in Tettnang (Bodensee) geboren und wuchs in Ravensburg auf; den ersten Instrumental- und Musiktheorieunterricht erhielt er 1983, ab 1986 schrieb er erste Kompositionen und Jazzarrangements für verschiedene Besetzungen. Prägend war eine Begegnung mit John Cage 1987 im Rahmen eines Workshops bei den Tagen für Neue Musik in Weingarten (D). 1989 war er Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „Schüler komponieren – Treffen junger Komponisten“. Von 1993 bis 1998 studierte er Komposition an der Kunstuniversität Graz bei Gerd Kühr, Beat Furrer und Peter Michael Hamel, musiktheoretische Fächer bei Georg Friedrich Haas, Bernhard Lang und Claudia Maurer Zenck. Von 1996 bis 2006 war er Vorsitzender der Komponistenvereinigung „die andere saite“. Den Musikpreis der Landeshauptstadt Graz bekam er 1997, im Jahr darauf folgte der Würdigungspreis des Bundesministers für Wissenschaft und Verkehr. Seit 1998 lehrt er Fächer aus dem Bereich Musiktheorie und Improvisation an der Kunstuniversität Graz, seit 1999 leitet er den Bereich Neue Musik für das Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz. In den Jahren 2000 bis 2003 hatte er die künstlerische Leitung der „Komponistenwerkstatt“ im Rahmen des Deutschlandsberger Jugendmusikfestes (steirischer herbst) inne. 2002 wurde er zum Bundesländer-Konsulenten des Österreichischen Komponistenbundes (ÖKB) für die Steiermark gewählt. Er ist ein Gründungsmitglied von „indexicals – Zentrum für transdisziplinäre Kognitions- und Staatswissenschaften“, in dessen Rahmen auch seine Forschungstätigkeiten fallen. Neben zahlreichen Auftritten und Performances als ausführender Musiker (Saxophon) hatte er Aufführungen im In- und Ausland, darunter in Deutschland, Frankreich, in der Schweiz und in Griechenland. Auftragskompositionen schrieb er für die IGNM, das Wagner-Forum Graz, next – Verein für Bildende Kunst, den steirischen herbst, die styriarte, Hörgänge u. v. a.