Elisabeth Harnik: re-framing I (2010)

Die Komponistin Elisabeth Harnik

 
Elisabeth Harnik bewegt sich in ihrer Arbeit im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition. Diese unterschiedlichen Disziplinen werden in ihrer Ausübung und der persönlichen Herangehensweise von der Künstlerin klar getrennt. Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Materialverwendung, dem „Repertoire“ in Improvisation und Komposition und den damit verbundenen Möglichkeiten der Zeitgestaltung sind Brennpunkte der aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung.

Gerhard Nierhaus (2010)

 

re-framing I (2010)

„Ich habe für dieses Ensemblestück ein ‚Entwurfsmuster‘ in Form einer klanglichen Grundanordnung formuliert, das in der Folge auf unterschiedliche Manipulationen wie Mehrfachverkettung von Spiegelungen, Drehungen und Verschiebungen reagiert. Sowohl die Verfahren als auch das Entwurfsmuster selbst können auf verschiedene Arten ‚ausgelesen‘ werden und entwickeln eine Eigendynamik, auf die ich im kompositorischen Prozess eingehe. Das Wechselspiel von Kalkuliertem und Unvorhergesehenem bringt Öffnungen zum Vorschein, die zu neuen Perspektiven führen und auf den Gesamtverlauf des Werks zurückwirken. Das Nachspüren einer unbewussten inneren Struktur und auch das Reflektieren über die Ergebnisse der vorgenommenen Manipulationen ermöglichen Raum für Erkenntnisse in der jeweiligen klanglichen Situation. In diesem kompositorischen Prozess spielt der sukzessive Einsatz verschiedener Strategien und deren Interaktion eine wichtige Rolle und eröffnet einen Raum der ‚Vermischung‘, den es zu erforschen gilt. Mittels veränderter Perspektiven werde ich herausgefordert, vertraute Zugänge zu umgehen und permanent neu zu erfinden. Die Grundanordnung des anfänglichen Entwurfsmusters erfährt durch das Verändern, Erhalten und Weiterentwickeln eine Erweiterung, die auch rückwirkend ins Werk einfließen kann. In jedem Fall bleibt die Essenz des Entwurfsmusters im Werk bestehen, wenngleich in transformierter Form.“

Elisabeth Harnik (2010)

Elisabeth Harnik: Biographie

Die freischaffende Komponistin und Pianistin Elisabeth Harnik, 1970 in Graz geboren, lebt zur Zeit in Gams in der Steiermark. Sie studierte zunächst klassisches Klavier an der damaligen Musikhochschule Graz, später folgte das Kompositionsstudium bei Beat Furrer an der heutigen Kunstuniversität Graz. Ihre künstlerische Laufbahn begann sie sowohl als Interpretin ihrer eigenen Kompositionen als auch als Pianistin und Sängerin in verschiedensten Bereichen der improvisierten Musik.

Aufführungen: Grazer Osterfestival 2002, Hörfest Graz 2003/04/05, Steirisches Kammermusikfestival 2003, Klangmühle Orth an der Donau 2005, Münchner Opern-Festspiele 2006, Wiener Mozartjahr 2006, Paul Hofhaimer Musiktage 2006, Komponistenforum Mittersill 2008, Haydn Jahr 2009, Festival 4020 Linz 2009, Soundings Festival London 2010, Grazer Opernhaus u. a. Dabei arbeitete sie mit namhaften InterpretInnen und Ensembles zusammen: Ensemble für Neue Musik Graz, Ensemble Zeitfluss Graz, Ensemble Reconsil Wien, Haydn-Trio-Eisenstadt, Thürmchen Ensemble Köln, Trio AMOS Wien, Trio EIS Wien, Wiener Motettenchor, Vokalensemble Chiaroscuro Graz, Fidelio Trio London, RSO Wien sowie diverse nationale und internationale SolistInnen.

Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt das Auslandsstipendium des Landes Steiermark 2010.

Neben ihrer Kompositionstätigkeit ist sie auch als Improvisationsmusikerin auf nationalen und internationalen Festivals (V:NM-Festival, Ulrichsberger Kaleidophon, Klavierfestival Soundgrube Wien, Musicacoustica Beijing, Beethoven Fest Bonn, Artacts St. Johann, Umbrella Music Festival Chicago, Nickelsdorfer Konfrontationen, Comprovise Festival Köln u. a.) vertreten.
www.elisabeth-harnik.at