Wagnis Live-Elektronik

Unter Live-Elektronik soll hier eine spezielle Spielart der Elektroakustischen Musik verstanden werden, bei der den MusikerInnen im Konzert wieder die zentrale Rolle der Interpretation zufällt. Live-Elektronik wird also nicht nur im Studio produziert, sondern auch im Konzert gespielt. Zu der für jede Aufführung Elektroakustischer Musik notwendigen Einrichtung und Interpretation eines Stücks durch die Klangregie vor und während des Konzerts kommt noch eine instrumentale Form des Musizierens hinzu, bei der meist auch traditionelle Musikinstrumente Verwendung finden. Die Instrumente der Live-Elektronik unterliegen dabei nicht jener Standardisierung, die für traditionelle Instrumente typisch ist. Das macht eine Aufführung dieser Musik zur besonderen Herausforderung. Den MusikerInnen wird große Flexibilität abverlangt, da die Eigenschaften der Live-Elektronik-Instrumente meist als Teil der Komposition festgelegt werden und daher von Stück zu Stück sehr stark variieren können. Um ein komponiertes Instrument zu spielen bedarf es nicht nur der für jede Interpretation zeitgenössischer Musik notwendigen musikalischen und instrumentenspezifischen Fähigkeiten, sondern auch eines grundlegenden Verständnisses der in der Komposition (des Stücks und der Instrumente) angewendeten Konzepte und Techniken. Erschwert wird diese Situation noch dadurch, dass Live-Elektronik oft zur Erweiterung traditioneller Instrumente eingesetzt wird. 

Die Spielbedingungen eines traditionellen Instruments können sich dadurch stark verändern und erfordern von den InterpretInnen eine besondere Auseinandersetzung. Die von den Möglichkeiten der Live-Elektronik ausgehende Faszination lässt KomponistInnen und MusikerInnen aber immer wieder das Wagnis eingehen, auf diesem Wege neue Formen des Musizierens zu verwirklichen. Diesen Prozess zu unterstützen war das Ziel des im Rahmen der 7. internationalen impuls Ensemble- und Komponistenakademie für zeitgenössische Musik veranstalteten Live-Elektronik-Workshops, dessen Ergebnisse in diesem Konzert präsentiert werden.

Gerhard Eckel (2010)