Hyunsuk Jun: Papilio Ulysses (2005)

Papilio Ulysses für Violine und elektronische Klänge wurde im Jahr 2005 von dem Koreaner Hyunsuk Jun komponiert. Während bei anderen seiner Stücke außermusikalische Einflüsse aus Literatur oder der bildenden Kunst auftreten, ist es bei dem vorliegenden Stück der Odysseusfalter (lat. Papilio ulysses), der als Quelle der Inspiration dient. Wie sich die Farbnuancen des Blaus der Flügel von Papilio ulysses mit dem Blickwinkel ändern, unter dem sie betrachtet werden, so zeigen auch die elektronischen Klänge der Komposition neue Sichtweisen auf das durch sie kontextualisierte Spiel der Violine.
Die Live-Elektronik nimmt dabei die Rolle eines Tonbandes ein. Auf dieses Tonband werden Klänge aufgenommen sowie durch elektronische Verfahren des Studios modifiziert und gemischt, um dann in der Aufführungssituation allein oder in Kombination mit Instrumenten abgespielt zu werden.

Das Tonband wurde erstmalig 1935 von der Firma AEG bei der Berliner Funkausstellung vorgestellt und von Beginn der 1950er Jahre an für Tonband-Kompositionen eingesetzt. Doch liegt bei den meisten zeitgenössischen Kompositionen, welche im Studio vorpräpariertes Material verwenden, keine elektromagnetische Bandaufzeichnung mehr vor. Die Klänge werden heute in der Regel am Computer sowohl bearbeitet als auch durch diesen in Echtzeit wiedergegeben.

Durch den Umstand, dass die Klänge vorproduziert sind, exemplifiziert Papilio Ulysses eine andere Herangehensweise zur Hervorbringung des klanglichen Resultats der Aufführung, als das Konzept der in Echtzeit erzeugten elektronischen Klänge.

Ein Teil des hörbaren Stücks ist bereits „unveränderlich“ vorproduziert und der Aufführung damit eingeschrieben. In der Verbindung von diesem Material und dem Instrumentalvortrag ergeben sich eigene ästhetische Qualitäten und produktive Reibungen.

Andreas Pirchner (2010)

 

Hyunsuk Jun: Biographie

Hyunsuk Jun studierte 2001–2005 zunächst Komposition an der ChuGye University for the Arts (Korea), anschließend elektroakustische Komposition an der Korea National University of Arts. Seit 2009 studiert er Komposition an der Kunstuniversität Graz. Seine Werke umfassen Kompositionen für Orchester, Kammermusik, elektronische Klänge und Tonband. Seine Kompositionen wurden beim Seoul International Computer Music Festival, Seoul Creation Music Festival, Panmusic Festival und Nong project der Korea National University of Arts (Korea), bei SIGGRAPH 2007 (USA) und in der Aram Art Gallery aufgeführt. Hyunsuk Jun erhielt 2004 und 2005 erste Preise beim Seoul computer music contest.