A Garland to Koenig

Zeitton-Sendung über Gottfried Michael Koenig und das Signale 0100 Konzert

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Die Idee zu dieser Ausgabe der signalegraz stammt von drei Komponisten, deren Musikdenken auf jeweils verschiedene Art von ihrem Austausch und ihrer Freundschaft mit Gottfried Michael Koenig stark geprägt ist. Im Folgenden umreißen sie kurz, wie sie ihr Verhältnis zu Koenig verstehen.

Ramón González-Arroyo

I met Koenig for the first time in 1984 when I attended the courses of the Sonology Institute in Utrecht. At first, what attracted me most was he as a musical thinker, and it was not rare that some of his opinions and ideas would be the cause of a certain surprise, even perplexity, to me. Still now, after these many years, I know I will get from him some shade, some light, which will pose further reflection. Thus, slowly and firmly he kept growing inside me first as a reference and then as a friend. Delighted by his music, both instrumental and electroacoustic, and enlightened by his composition programs (here I must avow my special weakness for „Projekt 2“), I have had the chance to share with him many working sessions in different research projects, many conversations and, I must mention also, those delightful leisure moments in the company of his wonderful wife Ruth. Such has been his generosity.

Karlheinz Essl

Vor 25 Jahren veränderte die Begegnung mit Koenigs Streichquartett 1959 meine musikalische Welt. Fasziniert von diesem fremden, aber auch vertraut wirkenden Werk wandte ich mich hilfesuchend an den Komponisten; denn mit meinem analytischen Instrumentarium, das an Webern geschärft war, kam ich hier nicht weiter. In einem langen Briefwechsel gewährte mir Koenig tiefe Einblicke in sein kompositorisches Denken, das Ernst machte mit der radikalen Forderung nach einer Musik, die sich weder auf historische Modelle noch auf klangliche Vorstellungen stützt, sondern gleichsam synthetisch aus der Kraft der Konstruktion erwächst.

Paradoxerweise war es aber zunächst gerade der „musikantische“ Aspekt, der mich an Koenigs Streichquartett faszinierte, auch wenn sich dieser – „malgré lui“ – aufgrund klug disponierter Algorithmen ergab. Die Dialektik zwischen Zufall und Notwendigkeit wird hier mit höchster Kunstfertigkeit zelebriert und darüber hinaus zu einem Modell dafür, was Musik sein kann: klanggewordene Utopie aus dem Geist der Abstraktion.

Gerhard Eckel

1985 hatte ich das große Glück, dass mir im Rahmen des Internationalen Jahres der Musik ein Stipendium für einen Aufenthalt am Instituut voor Sonologie in Utrecht zuerkannt wurde. Koenig wählte damals mein Projekt aus und so kam es zu der für mich schicksalhaften Begegnung mit ihm. Wenn ich eine Person nennen sollte, die ausschlaggebend dafür ist, wie sich mein Musikdenken entwickelt, dann könnte ich nur ihn nennen. Seit 26 Jahren beziehe ich wertvolle Anregungen aus seinem Denken. Seine für mich denkwürdigsten Äußerungen stammen aber schon aus dem Jahr 1985, als wir mehrere Male im Studio 3 des Instituts zusammen saßen. Als von Auswahlverfahren die Rede war sagte Koenig: „Das Einzige worauf man sich verlassen kann ist der Zufall.“ In einem anderen Gespräch über Klangsynthese viel fast nebenbei der Satz: „Ich habe Jahre gebraucht, um ich mich an meine elektronischen Stücke zu gewöhnen.“ Beide Sätze nahm ich verdutzt zur Kenntnis, wusste aber schon damals, dass sie mir noch lange zu denken geben würden. So ist es geblieben.

 


Gottfried Michael Koenig: Biografie[1]

Gottfried Michael Koenig wurde am 5. Oktober 1926 in Magdeburg als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Er erhielt schon als Kind Instrumentalunterricht in Klavier, später auch Violine und Orgel, und begann bereits im Alter von acht Jahren seine ersten Stücke zu komponieren. Nach Ende des 2. Weltkriegs und seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Mai 1945 studierte Koenig zunächst Kirchenmusik in Braunschweig. Ein Jahr später wechselte er an die Nordwestdeutsche Musikakademie in Detmold, wo er Komposition, Klavier, Analyse und Akustik studierte. Weiters studierte er musisch-technische Gestaltung in Köln und Computertechnik in Bonn. Koenigs Lehrer waren u. a. Wilhelm Maler (Analyse), Günter Bialas (Komposition), Jan Natermann (Klavier) und Erich Thienhaus (Akustik), deren jeweiliger Einfluss auf Koenigs spätere Kompositionspraxis sich laut seinen eigenen Angaben jedoch nur schwer bewerten lässt. Während Koenigs Studienzeit steckte die elektronische Musik noch in ihren Kinderschuhen und die Studienbedingungen waren nach dem zweiten Weltkrieg außerordentlich schwierig. Koenig berichtet über jene Zeit und seinen Kompositionsunterricht:

"Bialas war allen neuen Dingen gegenüber sehr aufgeschlossen und verstand es, Konsequenzen auch aus Ansätzen zu ziehen, von denen er selber nicht ausging, vor allem zu zeigen, daß die Konsequenzen wichtiger als die Ansätze sind. Der Kompositionsunterricht war experimentell, nicht zuletzt bedingt durch die Situation 1947: die Klasse bestand aus gerade entlassenen Kriegsgefangenen, zum Teil noch in umgeschneiderten Wehrmachtsuniformen. Kein geordneter Unterricht also in einer geordneten Gesellschaft, mehr der Versuch einer Orientierung aus eigener Kraft. Damals hat keine Webernpartitur, keine Schönbergpartitur auf dem Tisch gelegen [...]. Von elektronischer Musik war uns nicht ein einziger Ton bekannt, obwohl 1948 das Studio für konkrete Musik in Paris gegründet wurde."

Seine Neigung zur elektronischen Musik entdeckte Koenig 1951 während einer Tonmeistertagung von Werner Meyer-Eppler von der Universität Bonn: 

"Der Begriff ‚elektronisches Studio‘ setzte sich [...] sofort in mir fest. Die Arbeit mit Apparaten, mit denen man einen Klang so lang, so laut und so hoch machen kann, wie es in der Partitur steht, traf sich genau mit meinen musikalischen Vorstellungen. Ich ärgerte mich an der Aufführungspraxis, an den Beschränkungen, die sich aus der Zusammenarbeit mit dem Orchester, dem Dirigenten ergeben, nicht erst zu reden von den Ausflüchten der Programmgewaltigen, wenn man ihnen eine Partitur vorlegt. Der instrumentale Komponist hört sein Stück ja erst im Konzertsaal, angefüllt mit Menschen, denen dieser Ort nur Anlaß ist, über Musik ihre unerwünschte Meinung kundzutun und als Laien über Fachleute ihr Urteil auszusprechen."

Mehrere Jahre nahm Koenig an den 1946 gegründeten Darmstädter Ferienkursen (Internationale Ferienkurse für Neue Musik) teil, bei denen er später auch selbst als Dozent mitwirkte. Von 1954 bis 1964 war Koenig schließlich ständiger Mitarbeiter am elektronischen Studio des WDR in Köln, wo er u. a. mit Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel, Franco Evangelisti, György Ligeti, Herbert Brün und Herbert Eimert zusammenarbeitete und dabei auch eigene elektronische Kompositionen realisierte (z. B. Klangfiguren, Essay, Terminus 1). Gleichzeitig schrieb er instrumentale Werke für Orchester und kammermusikalische Besetzungen (z. B. Klavier, Streichquartett, Holzbläserquintett).

Ab 1958 war Koenig Assistent im Hörspielseminar der Kölner Musikhochschule, wo er seit 1962 Lehraufträge für elektronische Musik, Komposition und Analyse inne hatte. 1964 begann er als künstlerischer Leiter am späteren Institut für Sonologie der Universität Utrecht. In dieser Periode erfuhr das Institut – nicht zuletzt durch Koenigs Einsatz – weltweite Bekanntheit und war vor allem durch seinen jährlichen Sonologie-Kurs beliebt. Koenig hielt während diesen Jahren viele Vorträge im In- und Ausland. Zugleich entwickelte er seine Computerprogramme „Projekt 1“, „Projekt 2“ und „SSP“, die dazu verwendet werden können, den Kompositionsprozess musikalischer Strukturvarianten zu formalisieren. Seine künstlerisch-kreative Arbeit bestand zunächst aus der Komposition weiterer elektronischer Werke (Terminus 2, Werkreihe Funktionen), sodann aus der Anwendung seiner Computerprogramme, die in Kammermusik (Übung für Klavier, Werkreihe Segmente, 3 ASKO Stücke, Streichquartett 1987, Streichtrio) und Orchesterwerken (Beitrag, Concerti e Corali) resultierte. Nach 1969 widmete er sich, mit der Ausnahme des 1979 geschriebenen Output für elektronische Klänge, nunmehr ausschließlich der programmierten Musik.

Nachdem 1986 das Institut für Sonologie in Utrecht geschlossen und am Königlichen Konservatorium in Den Haag wiederaufgebaut wurde, widmete sich Koenig vorwiegend der Komposition, der Computergrafik sowie der Entwicklung weiterer musikalischer Expertensysteme. 1991 bis 1993 veröffentlichte Koenig außerdem die ersten drei Bände seiner theoretischen Schriften unter dem Titel „Ästhetische Praxis“ im Pfau Verlag (eine italienische Auswahl erschien 1995 unter dem Titel „Genesi e forma“ im Semar Verlag), in den Jahren 1999 bis 2007 folgten drei weitere Bände. 2002/2003 war Koenig zudem ein Semester lang Gastprofessor für Computermusik an der Technischen Universität Berlin.

Gottfried Michael Koenig wurden in Anerkennung seiner Leistungen, die insbesondere für die Entwicklung der Elektronischen Musik von weitreichender Bedeutung waren, mehrere Auszeichnungen und Förderungen verliehen: 1961 erhielt Koenig eine Förderungsprämie des Landes Nordrhein-Westfalen, 1987 den Matthijs Vermeulen-Preis der Stadt Amsterdam, 1999 den Christoph und Stephan Kaske-Preis. 2002 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, verliehen. 2010 erhielt er den Giga-Hertz-Preis des ZKM in Karlsruhe.

 


[1]     Quellen: http://www.koenigproject.nl (13.10.2011) sowie Gottfried Michael Koenig, in: Ursula Stürzbecher, Werkstattgespräche mit Komponisten, Köln 1971, S. 19–21.