Martin Lorenz: Oscillations

Oscillations (2012) ist ein frei angelegtes Konzeptstück für Schlagzeug und Live-Elektronik. Die kompositorische Anlage beschränkt sich auf wenige definierte Parameter, die eher statisch beschrieben sind. Durch ihre Überlagerung entsteht eine Klangfläche, ein Drone, die/der sich stetig weiterentwickelt und verändert. Punktuell getroffene Entscheidungen treten kaum als hörbare Ereignisse im Verlauf des Stücks auf, sondern bestimmen die Richtung der folgenden klanglichen Entwicklung.

Das Stück kann durchaus als Versuchsanordnung verstanden werden. Ein Netzwerk von Klangquellen und klangverändernden Einheiten, das die hierarchische Ordnung zwischen Instrumentalspiel und elektronischer Verfremdung untersucht. Dieses Netzwerk wird in Schwingung versetzt durch andauernde Wirbel auf dem Schlagzeug (Pauke) und (elektronische) Sinustöne. Mit Live-Elektronischer Transposition, Verzögerung und Rückkopplung werden mehrere klingende Schichten übereinander gelegt, wobei die präzise Abstimmung der Parameter der angewandten Verfahren feine Klangveränderungen hervorhebt.

Oscillations lotet die Begrenzungen der digitalen Klangrepräsentation aus, indem die digitale Auflösung des klangwiedergebenden Systems bis fast zum Stillstand reduziert wird. Die Abtastfrequenz des Systems wird von standardmässig 44.1 kHz bis in den Hörbereich heruntergesetzt (500 Hz und tiefer) und als eigenständiger musikalischer Parameter mitkomponiert. So bildet die „Samplingrate“ einen alles bestimmenden Kontrapunkt, der - während er Klangartefakte wie Noise und Aliasing freisetzt - zu den Instrumental- und elektronischen Klängen in einem imaginär harmonischem Bezug steht.

Martin Lorenz: Biografie

Martin Lorenz, geboren 1974, Schlagzeugstudium am Konservatorium Zürich, am Conservatorium van Amsterdam und am Conservatoire National der Région Rueil-Malmaison Paris. Seit 1999 arbeitet Martin Lorenz als freischaffender Schlagzeuger im Bereich der zeitgenössischen und experimentellen Musik und realisiert mit verschiedenen Partnern Solo- und Kammermusikprojekte: Mit Conrad Steinmann, mit Teodora Stepancic, mit Canto Battuto, dem „ensemble für neue musik zürich“ und anderen. Aus diesen Partnerschaften entstanden Zusammenarbeiten mit Komponisten wie Edu Haubensak, Sam Hayden, Mischa Käser, Daniel Mouthon, Daniel Weissberg, Tao Yu, Alfred Zimmerlin, deren Werke er zur Uraufführung brachte.

Martin Lorenz begann sein Arsenal an Schlaginstrumenten mit Elektronik zu ergänzen und erweiterte so das Spektrum seiner Ausdrucksformen mit installativen Arbeiten und Musik am Rand zur Clubkultur. Diese Vielseitigkeit ist auch für seine Arbeit als Komponist prägend – sein Werk beinhaltet Solo- und Ensemblestücke. Zudem sind für seine Performances als DJ eine Serie elektronischer Werke entstanden, die er bei Dumpf Edition in limitierter Kleinauflage auf handpräparierten Schallplatten veröffentlicht.

Für seine Arbeit als Komponist wurde Martin Lorenz 2010 mit einem Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums ausgezeichnet.

Martin Lorenz ist Mitglied des Collegium Novum Zürich und des Trio Nexus, Berlin. Konzerte in der Schweiz, Deutschland, England, Italien, China, Japan, Ägypten sowie am Lucerne Festival, Huddersfield Contemporary Music Festival. Er lebt seit 2009 in Berlin. 

 

www.martinlorenz.ch