Gerhard Eckel “Random Access Lattice”
Random Access Lattice ist eine Klangskulptur, ein immaterielles räumliches Objekt, das nur aus Klang besteht. Das Publikum spielt die Skulptur indem es einen mit Bewegungssensoren versehenen Lautsprecher durch ein unsichtbares Raumgitter aus Klangaufzeichnungen bewegt und diese damit hörbar macht. Das Gitter ist so dicht gestaltet, dass nur ganz langsame Bewegungen zu nachvollziehbaren Klangsequenzen führen. Dabei entsteht das Gefühl einer unmittelbaren Verbindung von Bewegung und Klang. Kleinste Variationen in der Bewegung werden im Klang reflektiert. So führt die exakte Wiederholung einer Bewegung zur genau gleichen Klangsequenz. Subtile Variationen der Bewegung rufen körperlich antizipierbare Veränderungen im Klang hervor, was der Skulptur instrumenthafte Eigenschaften verleiht. Diese sind Voraussetzung dafür, dass sich der Körper des Spielers oder der Spielerin in den Klang erstrecken und damit eins mit diesem werden kann. Als Klangmaterial werden Gedichte in 44 verschiedenen Sprachen verwendet. Insgesamt sind fast 4 Stunden an Sprachaufnahmen von librivox.org in einem Würfel von 2m Kantenlänge gespeichert. Random Access Lattice ist eine Reformulierung von Nam June Paiks Installation Random Access Music von 1963, die aus an die Wand geklebten Tonbandstücken und einem aus einem Tonbandgerät ausgebauten Tonkopf bestand. Das Publikum konnte die Tonfragmente abspielen, indem es mit dem Tonkopf “in wahlfreien Zugriff” (random access) händisch über die Bänder strich.

 

Visda Goudarzi “2012 tweetup”
2012 tweetup is a pluderphonics tape piece made of the sonification of Twitter data. Data of the Twitter followers of the people or events that have been trendy in 2012 demonstrates the development and popularity of the events on social media. The sonic interpretation of this development is created by mapping the twitter data to the parameters that modulate(using granular synthesis) the audio recordings related to each specific trend. Using simple granulation techniques on the data, a variety of interesting timbres and textures are obtained. Gap size, grain size, amplitude, and the random spread of the grains are controlled by the data. Where the number of followers are higher, the samples are played back as recognisable parts of the recorded tracks.
The trends are chronologically ordered in the piece as the twitter data. The piece includes the following tweets:
- Tweets from Mars: NASA’s Jet Propulsion Laboratory live-tweeted as the Mars rover, Curiosity, made its descent onto the Red Planet. The world received Twitter updates directly from the shuttle’s command centre. @MarsCuriosity has more than 1.2 million followers.
- Farewell to Whitney Houston: the day the R&B superstar died, tweets about her death peaked at 73,3662 per minute. Nearly 2 million tweets were sent during her televised funeral on Feb. 19.
- The U.S. presidential elections: The first presidential debate between President Obama and Republican presidential candidate Mitt Romney generated 10 million tweets.
- Superstorm Sandy from space: The International Space Station (ISS) captured live images of the storm as it tore its way up the East Coast. The astronauts tweeted live images to the world.
- When Felix Baumgartner made his record-breaking skydive from space, people all over the world took to Twitter to witness the event unfold.
- President Obama’s simple election night message: “Four more years.”

 

Bernhard Lang "DW 6a" für E-Viola/E-Violine und Loop-Generator


dw6a gehört zur serie der differenz-wiederholungs-stücke, welche den versuch darstellen, die phänomenologie der wiederholungen neu zu bestimmen; diese bestimmungen zielen auf eine mögliche ästhetik der schleifen ("loop-aesthetics") ab; 
in analogie zum filmschnitt handelt es sich um eine musik in diskreten zuständen/blöcken/zellen, die allein durch die lose logik einer frei fortströmenden improvisationsschrift verbunden sind.
neu an den stücken ab dw4 ist die re-integration des live-processings, das die in den vorhergehenden stücken komponierten wiederholungsprozesse zu automatisieren versucht.
diese automatisation wird mit hilfe des zusammen mit thomas musil entwickelten pd-programm "looping-tom" gestaltet. die entwicklungsarbeit fand am iem in graz statt.
zudem werden geschriebene textur und die computergenerierten loops mit impovisatorischen schichten kontrapunktiert, die gemeinsam mit dimitri polisoidis entwickelt wurden. ihm ist das stück auch gewidmet.
2003 wurde das pd-program um eine live_video-komponente erweitert, die von anfang an konzeptuell mitgedacht worden war: sind doch die im stück auftretenden loop-techniken wesentlich als übertragungen aus dem filmischen werk martin arnolds auf das audio-sampling zu verstehen.
der video-loop generator arbeitet nach dem gleichen prinzip wie der sound-loop-generator, es wird die bildbewegung/geste analog zur klangbewegung/geste gesamplelt und geloopt.
die uraufführung erfolgte 2002 in n.y.c., die erste aufführung mit video-loop.generator 2003 in kopenhagen.


 

Daniel Mayer „Lokale Orbits / Solo 3“ für Flöte und mehrkanalige Klangprojektion (2008)
In der kompositorischen Arbeit mit Computeralgorithmen ist mir besonders der experimentelle Aspekt wichtig – weder die Umsetzung abstrakter Konzepte noch die Annäherung an vorhergehende klangliche Vorstellungen. Man wird dabei mit Resultaten konfrontiert, an denen man sofort weiterarbeiten möchte, auch gegen die ursprünglichen Überlegungen. Als Konsequenz habe ich mich für eine Vorgangsweise entschieden, bei der die Planung sich auf die experimentellen Rahmenbedingungen beschränkt. In der Reihe Lokale Orbits bilden Instrumentalklänge, Aufnahmen mit den beteiligten MusikerInnen, den Ausgangspunkt für klangliche Verarbeitungen, insbesondere mit Granularsynthese. In Solo 3, das in Zusammenarbeit mit der Flötistin Martina Roth entstand, werden die statistische Steuerung granularer Wolken, rhythmisierte Granularschichten und die Oszillation zwischen pulsierender (d.h. von Mikropausen durchsetzter) und nichtpulsierender Granulation miteinander kombiniert. Das Projekt wurde mit Unterstützung des Giga-Hertz-Produktionspreises 2008 für den Klangdom des ZKM Karlsruhe in einer Version für 27 Lautsprecher realisiert.

 


Marko Ciciliani “Formula minus One” für E-Violine, Sensoren, Live Video und Live Elektronik
In Formula minus One wird der Motorsport Formel 1 als Ausgangspunkt genommen, und durch seine Kombination von Geschwindigkeit und Kraft als Symbol für Männlichkeit betrachtet. Während alle Fahrer, die in den letzen Jahrzehnte auf Grand Prix' angetreten sind männlich sind, unterscheidet, im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, die Formel 1 ausgerechnet nicht zwischen einer Disziplin für Männer und einer für Frauen. Es ist also möglich, dass in einem Rennen gleichzeitig Frauen und Männer antreten. Tatsächlich gibt es gegenwärtig bei mehreren Teams Testfahrerinnen (z.B. Susie Wolff bei Team Williams und Carmen Jordá bei Lotus), Startplätze bei Grand Prix' blieben ihnen bislang aber verwehrt.
Die audiovisuelle Komposition Formula minus One folgt der Idee diesen Sport zu ästhetisieren und zu ent-maskulinisieren. Unter anderem werden dabei Designprinzipien aus Computerspielen angewendet. Entsprechend gibt es eine direkte Interaktion zwischen der Violinistin, der Live-Elektronik und der Generierung des Videos, wobei letztere gleichzeitig auch als Teil der Partitur dient. Es wird eine pseudo-Narrativität entsponnen, die der Teleologie des adrenalisierten Rennens entgegensteht.


Winfried Ritsch "Konzert für Computer und Cello VI" aus der Werkreihe Monologe


Stück für Cello, Mikrofone, Computer, Lautsprecher und Raum,

entstanden am Institut für Elektronische Musik und Akustik der KUG.
Der Auftrag an den Musiker lautet Klänge zu produzieren und zu spielen. Die Anforderung an das Publikum ist zu hören. Das Computersystem mißt Räume, zerschneidet, isoliert und verfremdet
Klänge und Töne und kreiert damit in Echtzeit eine deterministische Komposition. Die Musik erfüllt den Raum und der Raum die Musik.
Der Computer selektiert in Echtzeit Klangmaterial und ordnet dieses nach kompositorischen Kriterien. Der zugrundeliegende Kompositionsalgorithmus für die zeitliche Fixierung der Ereignisse und Stimmführung ist die ''Ähnliche Abbildung'' von einer Initiator-Sequenz über die Zeit auf mehrere Stimmen. Während dieser Echtzeitkomposition und Live-Steuerung der Parameter wird durch immerwährende Aufnahme des Gespielten im Raum das Klangmaterial erzeugt und der Raumakustik angepasst.
Die Projektion des im Computer befindlichen Klangraumes erfolgt über 4 Lautsprechergruppen, welche über eine Ambisonicsanlage eingespielt wird. Die räumliche Verteilung wird zeitlich so gesteuert, daß die Phasenübergänge wahrgenommen werden können. Es gibt keine Priorität von Örtlichkeiten, vielmehr soll der ganze Hörraum gleichmäßig bespielt werden.
Damit handelt dieses Stück von Kommunikation zwischen Maschine und Mensch und ist der multikulturellen Vermischung gewidmet.



 

Olga Neuwirth “Verfremdung/Entfremdung” für Flöte, Klavier und 6-Kanal Zuspiel
Die Länge des Stücks, elfeinhalb Minuten, ist durch das im Institut für Elektronische Musik in Graz produzierte Tonband vorgegeben. Es setzt kurz nach Beginn ein und läuft bis zum Schluss durch. Die sechs Tonbandkanäle erzeugen einen Klangraum, der das Publikum von allen Seiten umgibt. Sie enthalten einerseits Klänge, die auf der Basis eines genauen Timings auf vielfältige Weise mit den live gespielten Instrumenten in Interaktion treten. Darüber hinaus bilden sie einen virtuellen Hallraum, in dem der reale Instrumentalklang durch elektronische Manipulation verändert und unterschiedlich stark multipliziert wird, so dass die Soloinstrumente beim Spiel mit sich selbst als Massenerscheinung konfrontiert werden. Klangliche Verfremdung schlägt in Entfremdung um.

Wie in anderen Kompositionen von Olga Neuwirth gibt es auch hier eine Art tonale Achse. Sie wird gebildet vom Ton d, der sich durch die symmetrischen Nebentöne dis und cis zum Minicluster erweitert. In den durch Atemgeräusche, Flageolett-Triller und diverse Überblastechniken denaturierten Flötenklängen treten die Zentraltöne immer wieder hervor, ebenso in den repetitiven Kleinclustern des Klaviers und als Ausgangspunkt seiner räumlich expandierenden Skalen. lm Formverlauf können sieben Sektionen unterschieden werden, in denen das Ausgangsmaterial der Komposition jedes Mal anders verarbeitet wird. Sie sind getrennt durch sukzessiv sich verkürzende Fermaten, deren erste 51 und deren letzte 11 Sekunden lang ist. In diesen Fermaten verstummt der Klang der live-Instrumente, während er auf dem Tonband gleichzeitig einem «morphing», einer Klangtransformation vom Klavier- zum Flötenklang, unterworfen wird; die beiden im Charakter extrem gegensätzlichen Instrumente verlieren hier ihre klangliche Identität und verschmelzen im virtuellen Klang der Elektronik. Nach einem Abschnitt mit ruhig fließenden Achteln, in dem sich Flöte und Klavier in unterschiedlichen Metren überlagern, und dem vehementen Schlussteil mit seinen Motivtrümmern im zwei- bis vierfachen Forte mündet das Stück in einen Tonband-Epilog, in dem das dem Klavier akustisch unterlegene Blasinstrument noch einmal auf unerwartete Weise zu seinem Recht kommt.
© Max Nyffeler

 

Iohannes Zmölnig pointillism 
ist ein Solo für graphisches Programmieren.
Sowohl der Quellcode der Performance als auch die generierten Klänge verwenden ausschließlich punktförmige Strukturen und Formen als Grundelemente: das Klangmaterial wird aus Morsezeichen gebildet, der Quelltext wird in Braille (der auf Punktmustern basierenden Schrift für Blinde und Sehbehinderte) geschrieben.
Die Performance versteht sich als ironischen Kommentar zum „show-us-your-screens“ Paradigma vieler Live-Coding Performances.