Symposion: Mind the Gap!

 

7.& 8. März 2013

Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz
MUMUTH – Haus für Musik und Musiktheater
Lichtenfelsgasse 14, A-8010 Graz, Österreich

Konzept

„Mind the Gap“ ist eine Konzertreihe im Symposionsformat: Sechs Künstlerinnen und Künstler aus Österreich, Deutschland, Schweden, Kolumbien und der Schweiz formu-lieren eine musikalische Bagatelle, einen klangkünstlerischen Gedanken, eine akustische Idee und präsentieren ihr Werk in zweifacher Ausführung: sowohl im Konzertsaal des MUMUTH als auch im Web. Dabei besteht eine wesentliche Herausforderung darin, die Arbeit so anzulegen, dass sie in den beiden, sehr unterschiedlichen Räumen – in der Black Box geradeso wie auf dem White Board, mit 33 Lautsprechern geradeso wie in Stereo –  eigen- und selbständig zur Wirkung kommen kann. Eine radikale Formvorgabe mit Konsequenzen, ein Selbstexperiment mit Reflexionsbedarf.

Die sechs Beiträge werden entsprechend in einen Diskurs gebettet, der am 7. und 8.3.2012 vor Ort im MUMUTH ermöglicht wird: Alle Klangarbeiten werden zweimal im Konzertsaal aufgeführt, (i) als Matinée gefolgt von einem Podium mit Experten und (ii) als Soirée mit vorangegangener Konzerteinführung durch einen Theoretiker. Am Morgen folgt die Theorie der Kunst, am Abend ist es umgekehrt. In den Stunden zwischen diesen beiden Ereignissen fungiert das Foyer des MUMUTH als Kaffeehaus im Wiener Stil und offeriert damit den Raum und die Zeit für die intensive Diskussion am Detail, an konkreten Fragestellungen, in kleinen Gruppen, mit dem Tischnachbar. Hintergedanke für dieses Format ist die invertierte Konferenz: statt im Vortragssaal verbringt man die meiste Zeit im Foyer. Und nur zu den Zeitpunkten, an denen sonst die Kaffeepause den Konferenztag unterbricht, begibt man sich gegebenenfalls zum spontanen Kurzvortrag in den Vortragssaal der Speakers’ Corner im Erdgeschoss. 

Die Veranstaltung „Mind the Gap“ steht im Zusammenhang mit der Generalversammlung der Society for Artistic Research, die am 3. Tag im selben Haus stattfinden wird. Diese Gesellschaft hat sich dem Betrieb eines Journals for Artistic Research und einer Online-Platform, dem Research Catalogue, verschrieben, bei denen es um die internationale Verbreitung einer Kunst als Forschung geht. Eine zentrale Fragestellung dieser noch jungen Gesellschaft ist der Sprung vom künstlerischen Aufführungsraum wie der Ausstellungshalle, dem Konzertsaal oder dem Theater, hin in das digitale Darstellungsformat des RC. Bisher geschah dies vielfach im Modus der Dokumentation. Mit „Mind the Gap“ geht es nun insbesondere um ein Studium des RC als neuen und eigenständigen künstlerischen Raum der Aufführung.

„Mind the Gap“ wird von der Kunstuniversität Graz veranstaltet in Kooperation dem Forschungsprojekt „The Choreography of Sound“ (gefördert vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung FWF: AR41) und der Society for Artistic Research. Idee und Konzept der Veranstaltung sind von Florian Dombois und Gerhard Eckel.

Matinée/Soirée

An zwei Tagen werden zweimal drei Werke der folgenden sechs Künstlerinnen und Künstler im Konzertsaal des MUMUTH uraufgeführt: Florian Dombois, Cathy van Eck, Gerhard Eckel, Hanna Hartman, Jan Svenungsson und Germán Toro-Pérez. Der zweimaligen Aufführung unterliegt dabei die Vorausschau, dass Wahrnehmung und Diskurs einander beeinflussen werden. Und zwar nicht nur in der Weise, dass wir wissen, was wir hören, sondern auch umgekehrt. Die Besucher erhalten darum die Gelegenheit zum zweimaligen Hören: einem unvorbereitetem Konzert am Morgen, dem eine Reflexion in Form eines Podiums nachfolgt; und einer Wiederholung vom Morgen, nun aber präpariert durch die Gespräche des Tags und insbesondere auch noch einer konkreten Einführung direkt vor Beginn.

Podium

Im Anschluss an die Matinée findet ein Gespräch zwischen den Künstlern und drei Experten statt. Mit dabei sind Henk Borgdorff (Amsterdam / Göteborg) und Robert Höldrich (Graz), die dritte Person wird baldmöglichst bekannt gegeben. Das Podium findet unmittelbar nach der Aufführung der jeweiligen drei Werke im Foyer statt und reflektiert und diskutiert das Gehörte. Es bildet den Auftakt zum Gespräch des Tages.

Einführung

Eine halbe Stunde vor der Soirée geben einmal Michael Schwab (London) und einmal Jens Badura (Salzburg/Zürich) eine Einführung in das nachfolgende Konzert. Diese Einführung erleichtert dem Abendpublikum den Zugang ebenso, wie es die Gespräche des Tages noch einmal aufnimmt und auf die nachfolgende Aufführung hin fokussiert.

Performanz des Diskurses

Das Kaffeehaus ist eine Institution und hat insbesondere in Wien und in Österreich eine ebenso reiche Geschichte wie Gegenwart. Es ist eine Institution als Ort künstlerischen Diskurses, aber auch künstlerischer Produktion. Wie viele Weltromane entstanden an diesen Tischen... Für „Mind the Gap“ wird diese Kultur an drei Tagen im Foyer des MUMUTH Wirklichkeit. Es gibt Tische, Stühle und Zeitungen inklusive einer Bewirtung. Hinzu kommen eine Anzahl von Internetstationen, an denen man sich insbesondere die sechs Online-Beiträge der Künstlerinnen und Künstler anschauen und -hören kann. Mit dem Kaffeehaus auf Zeit erhält der künstlerische Diskurs während „Mind the Gap“ einen konkreten Raum und eine reale Performanz. 

Speakers’ Corner

Die Rücknahme des Vortrags aus dem Symposion ist keine Geste der Ausschliesslichkeit. Während der zwei Tage können auch Vorträge (max. 15 min) in gewohnter Infrastruktur (Beamer, Audiosystem) gehalten werden. Dazu steht ein Vortragsraum im Erdgeschoss des Gebäudes inklusive technischer Betreuung bereit. Am Morgen des ersten Tages werden zwei Listen ausgelegt, auf denen sich die Vortragenden ein Time-Slot für ihren Beitrag reservieren können. Diese Listen dienen gleichzeitig als Ankündigung. 

Zeitplan

Donnerstag & Freitag / 7. & 8. März 2013 (Symposion)

09:00 Kaffeehaus öffnet

10:00-11:00 Matinée 

11:00-12:00 Podium

12:00-13:30 Mittagessen

13:30-17:30 Kaffeehaus

14:00-17:00 Stündlich Vorträge

17:30-18:00 Einführung

18:00-19:00 Soirée

20:00 Kaffeehaus schließt

 

Samstag 9. März 2013 (SAR Generalversammlung)

09:30-17:00 Generalversammlung, Workshops, Sitzung des neuen Executive Boards